Tinas Hüttengeschichten

6. April 2019

Tour mit Hütte 1
Noch 100 Höhenmeter und der anstrengende Aufstieg ist geschafft. Bei der Hütte angekommen, ziehen Tina und Tobi die Felle von ihren Skiern, tauschen ihre Skitourenschuhe gegen Hüttenfinken und treten ein in die heimelige, warme Gaststube. Bei Kaffee und knusprigem, frisch gebackenem Apfel-Kuchen besprechen sie die morgige Tour und gehen auf der Karte nochmals alle Teilstücke durch. Um sie herum fröhliches Geplauder, der Alkohol fliesst, ein Apéro-Plättli nach dem anderen wandert über die Theke. Mit lesen, plaudern, Weisswein und einem Jass verbringen Tina und Tobi die Zeit bis zum Abendessen. Der Essraum füllt sich, die dampfenden Suppenschüsseln werden aufgetischt. Auf die Suppe folgt ein frischer Blattsalat, garniert mit Tomaten und Karotten. Grosse Panoramafenster geben die Sicht frei auf schroffe Felsen und weite Gletscher, die in das blaue Licht der herannahenden Nacht getaucht sind. Nur eine dünne Scheibe trennt die wohlige Gemütlichkeit der Gaststätte von der unerbittlichen, kargen Welt des Hochgebirges. Nach dem Salat gibt es köstlichen Rinderbraten mit Stocki und zum Dessert ein luftiges Mousse au Chocolat. Mit Rotwein und Räubergeschichten lassen Tina und Tobi den Abend ausklingen. Schliesslich kriechen die beiden in ihrem Mehrbettzimmer unter die kuschligen Daunendecken und hören dem leisen Schnarchen der anderen Bergsteiger zu, bis sie selbst in einen unruhigen Schlaf fallen.
Die Tour am nächsten Tag auf einen der umliegenden Viertausender ist wunderschön, das Wochenende leider viel zu schnell vorbei, und bald sitzen Tina und Tobi wieder im Zug, auf dem Weg zurück in ihr Stadtleben. Was bleibt, ist die Erinnerung an das strahlende Blau des Winterhimmels, die umwerfende Aussicht auf das Gipfelmeer und den stiebenden Pulverschnee während der Abfahrt.

Tour mit Hütte 2
Noch 100 Höhenmeter und der anstrenge Aufstieg ist geschafft. Bei der Biwak-Schachtel angekommen, ziehen Tina und Tobi die Felle von ihren Skiern und stossen die unverschlossene Türe des Biwaks auf. Im Innern ist es düster und kalt, bei jedem Atemzug bildet sich ein weisses Wölkchen vor Tinas Gesicht. Es bleibt noch viel zu tun bis zum Abendessen, von nun an läuft alles nach einem unausgesprochen Plan ab. Trocken anziehen, hinter der Hütte Holz holen und hacken, Feuer entfachen und dann sofort zwecks Wassergewinnung mit dem Schmelzen von Schnee beginnen. Der Ofen ist klein und strahlt kaum Wärme aus. Eingepackt in ihre Thermojacken sitzen Tina und Tobi so nah wie möglich am Feuer und schauen zu, wie die glitzernden Schneekristalle langsam ihre Ärmchen verlieren, sich mehr und mehr auflösen, schliesslich zu Wasser verlaufen und Teil eines Ganzen werden. Zum Abendessen gibt es Couscous mit Nüssen und- als kleines Luxusgut- Käse. Gefragt sind hier oben Nahrungsmittel mit einer hohen Energiedichte, die schnell gekocht sind, und bei deren Zubereitung kein wertvolles Wasser abgeschüttet werden muss. Nach dem Essen spülen die beiden so gut es geht das schmutzige Geschirr ab und schlüpfen schon bald unter die klammen Wolldecken. Das Feuer wirft gespenstische Schatten an die Wände, leise pfeift der Wind durch die Ritzen der Biwak-Schachtel. Tina zieht sich die Mütze so weit es geht in die Stirn und rollt sich zusammen, um möglichst wenige Stellen der kalten Wolldecke zu berühren. Bald wird das Feuer aus sein und die beiden Bergfreunde in der Dunkelheit der Gebirgswelt zurücklassen. Tina fasziniert der Gedanke, dass nur sie beide, irgendwo hoch oben in den Bergen, in einem winzigen Häuschen liegen und die Winternacht überdauern.
Die Tour am nächsten Tag auf einen der umliegenden Viertausender ist wunderschön, das Wochenende leider viel zu schnell vorbei, und bald sitzen Tina und Tobi wieder im Zug, auf dem Weg zurück in ihr Stadtleben. Was bleibt, ist die Erinnerung an das strahlende Blau des Winterhimmels, die umwerfende Aussicht auf das Gipfelmeer und den stiebenden Pulverschnee während der Abfahrt. Doch von diesem Wochenende ist noch mehr hängen geblieben als die schönen Erinnerungen an die Bergtour. Nach der kalten Nacht im Biwak erfahren Tina und Tobi einen neuen Genuss des alltäglichen Luxus. WOW- das Warmwasser sprudelt einfach so aus dem Hahn, die Bettdecke ist so kuschlig und weich und das Essen so frisch und abwechslungsreich. Es sind wohl die Kontraste, die das Leben so reich und voll erscheinen lassen.

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